Res(is)t in Peace, Björn

Es gibt Momente im Leben die sind Scheiße. RICHTIG Scheiße! Einer davon ist der, in dem das Telefon in so kurzer Zeit nacheinander klingelt, dass du weißt „Da ist irgendeine große Kacke passiert!“. Von Leuten, die in dieser Reihenfolge normalerweise nie so kurz nacheinander anrufen würden. Dieses Gefühl, das dir dabei in die Glieder fährt. Ein Schauer. Das leichte Zittern in Armen und Beinen. Und dann, wenn du dich traust zurück zu rufen und deine schlimmsten Befürchtungen bestätigt werden, dieser Tunnel. Dieser Tunnel in den sich plötzlich die gesamte Welt um dich herum zusammenzieht. Das Dumpfwerden aller Geräusche um dich herum. Und dann: … Leere. Diese endlos quälende Leere. … Unterbrochen von tausenden Erinnerungen die dir plötzlich durch den Kopf schießen. Aus Zeiten, die du schon längst wieder vergessen hast. Wenn dir dabei plötzlich bewusst wird, dass du all die Liebsten um dich herum viel zu selten mal in den Arm nimmst, dick und fest knuddelst und die Welt, die dir eigentlich so wichtig ist, viel zu oft viel zu selbstverständlich geworden zu sein scheint. In genau diesen Momenten wird dir bewusst: sie ist es eben nicht! Erfolge, Pleiten, Pech, Pannen, Aufgebautes, Eingerissenes, Niederlagen, Siege – alles ist vergänglich. Alles. Wirklich alles! Genauso wie auch die dicksten Freunde, die du um dich herum versammelt hast! Und sie werden dir genau dann geraubt, wenn du am wenigsten damit rechnest!

Liebe Freunde, als Veranstalter eines eigentlich spaßig verknüpften Events, ist es umso schwieriger über traurige Themen wie den Tod zu schreiben. Und auch beim Tippen dieser Zeilen merken wir gerade, wie unser Kreislauf kurz vorm Kollabieren ist, alle Gliedmaßen zittern und unser Geist uns krampfhaft versucht von diesem ernsten Thema fern zu halten. Aber es nützt alles nichts – da müssen wir durch!

Neben Daniel, der jahrelanges Mitglied unserer Crew war, erhielten wir nur wenige Tage zuvor die herzzerreißende Information, dass auch Björn (Nordwand) unerwartet verstorben ist. Björn aka Schorsch Klunikoff, Knorpelkeks oder auch Eichhörnchen (diesen Insider werden nur sehr wenige verstehen) war nicht nur jemand, der viele – SEHR VIELE – von uns über unzählige Jahre begleitet hat. Er war auch jemand, der mit uns zusammen eines der allerersten Indoor-Punkfestivals im Berliner Osten organisierte: das VENOMOUS MIND FESTIVAL. Jemand, der sich über mehrere Jahre hinweg äußerst aktiv in der Ostberliner Klubszene engagierte und spätestens mit der Gründung der Band NORDWAND seine Spuren nicht nur in Berlin hinterlassen hat. Wenn uns von ihm eines am stärksten in den Köpfen hängen bleibt, dann ist es sicherlich sein tiefschwarzer Humor, der auch NORDWAND zu einer der Königinnen unter den Satirebands erwachsen ließ. Björn, dafür haben wir dich GELIEBT! Und werden das auch auf ewig weiter! Ein mächtiges und trotz der Trauer positives Denkmal, das du damit in unser aller Köpfe gepflanzt hast!

Wenn wir an dich denken, kommen wir auch am Berliner Geburtsbezirk des RTE nicht vorbei: an Berlin-Marzahn! Du warst einer von uns! Einer, mit dem viele von uns gemeinsam in den späten Neunzigern immer und immer wieder mit der damaligen Nazisituation im Kiez zu kämpfen hatten. Jemand, der auch mal den eigenen Arsch riskierte, um andere zu schützen. Jemand, mit dem wir gemeinsam gegen die Nazischeiße im Wohngebietspark angekämpft haben. Jemand, mit dem wir später den Biesdorfer Park (dem Gründungspark des RTE) unsicher machten. Jemand, mit dem wir auf eines der allerallerallerersten deutschen Punkfestivals gefahren sind. Vielleicht sind viele von uns auch genau deswegen auf ewig mit dir musikalisch und organisatorisch verbunden. Musik, die uns inniglich zusammengeschweißt hat. Auch, wenn man sich hin und wieder immer mal wieder aus den Augen verloren haben mag. Aber am Ende führte sie uns doch immer wieder zusammen. Spätestens bei einer der diversen Shows, die du mit NORDWAND auf dem RTE oder unseren Solis oder aber mit unseren eigenen Bands zusammen gespielt oder gefeatured hast.

FUCK, DU FEHLST UNS!!! Gewaltig!!! Und genau deswegen darf genau jetzt und an dieser Stelle auch das ein oder andere Tränchen beim Schreiben dieses Textes für dich fließen. Lass dich drücken! Björn, eines kannst du wissen: die nächste Pulle Hubertustropfen geht in Gedenken an dich!
Mit einigen von uns hattest du angeheitert vor über 20 Jahren mal im Spaß vereinbart, dass diejenigen, die verbleiben, auf dem Grab des von uns zuerst Verstorbenen einen Jive tanzen müssen. Wer hätte gedacht, dass das tatsächlich schon so früh dazu kommen würde. Aber hey, versprochen ist versprochen! Björnemann, wir widmen dir hiermit nicht nur das O von OTP, sondern auch das R von RTE: Res(is)t in Peace! DANKE FÜR ALL DIE GEILEN JAHRE MIT DIR! DANKE! FÜR ALLES!

Björn hat nicht nur eine trauernde Musikgemeinde, einen Bruder, eine Mutter und viele Freunde hinterlassen, sondern insbesondere auch sein ganz persönliches Heiligtum: sein Kind!

Alle, die die Familie in diesen schweren Zeiten hinsichtlich der anstehenden Beisetzungskosten unterstützen möchten, können das gern über folgendes Spendenkonto. Wir werden dieses Konto in Gänze an die Familie übergeben – alles, was über die benötigte Unterstützung hinaus geht, wird seinem hinterlassenen Kind direkt zu Gute kommen. Auch, wenn das am Ende alles nur symbolischen Charakter tragen kann, ist es für den einen oder anderen eventuell doch eine gute Möglichkeit aktiv einen letzten Gruß hinterlassen zu können.

Nichts und niemand ist vergessen! Deswegen möchten wir die aktuellen Geschehnisse zum Anlass nehmen und hiermit auch allen anderen Freund*innen gedenken, die uns im Rahmen des RTE’s im Laufe der Jahre bereits verlassen haben: RIP Wusel, Gunnar, Warit, Kali, Christoph, Daniel, Ché, Anne, Paula – Abertausende HERZEN an euch alle!
Rückt in diesen verrückten Zeiten alle ein wenig näher zusammen, unterstützt euch gegenseitig so gut es geht, werdet euch der Vergänglichkeit und dem WERT des Alltäglichen und des Lebens bewusst.

Passt auf euch auf. Wir lieben euch!

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